1 Monat nach dem Frauen*streik

Hoi ihr Powerfrauen*, Weltretter*innen, ungleich bezahlte Over-Performer*innen, Kämpfer*innen und on the fly top shots unserer Gesellschaft und hoi auch ihr mutigen Männer* da draussen…

Am 14. Juni 2019 fand in der Schweiz der zweite Frauen*streik statt. Viel wurde im Vorfeld über Sinn und Unsinn diskutiert: So etwas untypisch Schweizerisches gehört sich nicht und was soll es schon bringen, wenn ein paar frustrierte Frauen* auf die Strasse gehen? Überhaupt, was haben Frauen* in der Schweiz eigentlich zu streiken/beklagen?

Es waren nicht nur ein paar, sondern mehr als 500’000 Frauen* und solidarische Männer* die auf die Strasse gegangen sind. Friedlich, kreativ, aber mit einer klaren Botschaft: Genug ist genug. Die Energie zur Veränderung ist seither viel deutlicher zu spüren und schon nach einem Monat ist klar, dass der Streik eindrucksvoll seine Wirkung zeigt. Hier einige Beispiele:

  • Vollständige Entlöhnung: Angestellte einer Reinigungsfirma in Luzern konnten ihren Vorgesetzten durch den Streik dazu bewegen, sich an den Gesamtarbeitsvertrag der Reinigungsbranche zu halten und in Zukunft jegliche Arbeit zu entlöhnen. Stell dir vor, auch Frauen* können nicht nur von Luft und Liebe leben.
  • 1. Solidarisierungswelle: Unglaubliche (ich würde schon fast sagen, noch nie dagewesene) Solidarisierung unter Frauen*, wie zum Beispiel für die zwei entlassenen Angestellten des Kunstmuseums Basel.
  • 2. Solidarisierungswelle: Petition von Alliance F, Frauen* wählen Frauen*, damit auch Bern diverser wird. Aber bitte informiert euch, nicht alle weiblichen Kandidat*innen vertreten unsere Gleichberechtigungs-Themen. Eigentlich tragisch, aber ich glaube an Karma.
  • Förderungsmassnahmen: Sogar die SBB hat kurz nach dem Frauenstreik eingesehen, dass es für weibliche und männliche Mitarbeitende Massnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie braucht und eingeführt. Ganz vorsichtig bewegt sich die Wirtschaft in die richtige Richtung, aber nur so, dass es niemandem weh tut. Liebe Chefs, da geht doch noch mehr, enttäuscht mich nicht.
  • Sichtbarkeit von Expert*innen: Es gibt sie eben doch: Frauen*, die wollen! Auf sheknows.ch haben sich bereits mehr als 1000 Expert*innen zu verschieden Themen registriert, die für Referate oder Podiumsdiskussionen angefragt werden können. Um endlich auch hier mehr Diversifikation aufkommen zu lassen. Wer kennt sie nicht, die rein männlichen Vortragsreihen und Podien, sowas von gestern.
  • Familienfreundlichkeit: Nur wenige Tage nach dem Frauenstreik hat der Ständerat dem Gegenvorschlag, zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, zugestimmt. Ein kleiner Schritt für die Welt, ein grosser für die Schweiz. Kickass ist anders, aber immerhin weniger skandalös als die vorgängige Ablehnung des Bundesrats.
  • Aufklärung: Die unzähligen Diskussionen in den Medien, aber auch im privaten Umfeld, haben zur stärkeren Sensibilisierung der Gesellschaft beigetragen und hoffentlich der grossen Masse etliche Missstände deutlich gemacht, wie zum Beispiel dieser Dokumentarfilm.

Die Liste ist nicht abschliessend und ja, es ist schon einiges passiert, aber wir können und wollen mit diesen ersten Errungenschaften noch nicht zufrieden sein. Der Streik war nur der Anfang vom Ende des Patriarchats, die lila Fahnen hängen immer noch, die lila Pins und Bandanas tragen wir auch heute noch jeden Tag und erinnern uns daran, dass es noch viel zu tun gibt. In der ganzen Schweiz gehen online und offline die Vernetzungstreffen verschiedenster Interessensgruppen weiter und es wird intensiv an konkreten Ideen zur Erzielung der Gleichberechtigung gearbeitet. Wir sind gekommen, um zu bleiben und werden nicht gehen bevor wir nicht (mindestens) genau so viel verdienen wie unsere männliche Kollegen, bis Pflegearbeit  besser oder überhaupt mal entlohnt wird, bis wir nachts um 4 Uhr oder sobald es dunkel wird ohne Angst nach Hause laufen können, bis die Pink-Steuer abgeschafft wird (let me tell you…die Menstruation ist kein Luxus, sondern einfach etwas natürliches) und  bis alle Frauen auf der Welt eine Stimme haben dürfen. In 20 Jahren wollen wir nicht wieder streiken müssen. Also lasst uns an die Arbeit gehen. Und übrigens, wir sind nicht frustriert, wird sind wütend – und das ist viel gefährlicher! Siri

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