Liebesbrief an Margarete Stokowski

Hoi ihr Powerfrauen*, Weltretter*innen, ungleich bezahlte Over-Performer*innen, Kämpfer*innen und on the fly top shots unserer Gesellschaft und hoi auch ihr mutigen Männer* da draussen

Nebst Mut, Selbstliebe und Feminismus braucht die Welt auch mehr Liebe. Deshalb habe ich entscheiden, Liebesbriefe an Menschen zu schreiben, die ich bewundere, die mich inspirieren und die Heldinnen meines Alltags sind.

Untenrum frei

Mein erster Liebesbrief geht an Margarete Stokowski für das Buch “Untenrum frei”. Locker flockig und trotzdem brutal klar schreibt sie unter anderem über die strukturellen Probleme rund um das Thema weibliche Sexualität und Aufklärung und hat mich damit so stark berührt, dass ihre Worte in meiner Gefühlswelt immer noch nachhallen.

Ideale Frauen*körper

Im Kapitel Wachsen und Waxen beschreibt sie, wie der weibliche Körper viel mehr durch die Gesellschaft vordiktiert wird, als der männliche. Die meisten von uns haben diese Tatsache so verinnerlicht, dass es uns gar nicht mehr auffällt und ohne Denkanstösse von eben diesen genialen Menschen wie Marta gar nicht mehr hinterfragt wird. Wir empfinden es als normal unsere gesamten Körper ständig durch rasieren, wachsen, schminken und im Extremfall sogar Operationen optimieren zu müssen. Schön und vor allem dünn zu sein war als Teenager mein grösstes Ziel, wieso sonst sollten Jungs mich mögen? Meine Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb würde ich auch mit diesem Wunsch erklären. Jahrelang hat sich mein Leben um die Zahl auf der Waage gedreht, dies teilweise auch mit krankhaften Auswirkungen. Mit Büchern wie diesem wird mir erst wieder bewusst, welch mühsamen und mutigen Weg ich hinter mich bringen musste, um heute befreit(er) mich selber sein zu können.

Der lange Weg zur Selbstbestimmtheit

Das Kapitel über die sexuelle Aufklärung war so verdammt befreiend und erleichternd! Ich liebe Margarete Stokowski dafür, wie logisch und klar sie aufzeigt, dass die sexuelle Aufklärung damals wie heute immer noch zu technisch ist. Dies führt dazu, dass viele Jugendliche ihre Lücken mit haarsträubenden Ratschlägen aus Jugendzeitschriften füllen, „die Rollbilder aus der Hölle propagieren“. Er will immer und wenn du ihn liebst, solltest du es wenigstens ihm zu liebe einmal ausprobieren.

Durch das Buch ist mir extrem bewusst geworden wie schockierend wenig ich damals wirklich über den weiblichen Körper wusste und damit über meine Bedürfnisse und wie verwirrend Sex damals war. Wenn ich mir das alles so überlege ist es ja nicht verwunderlich, dass Frauen* oft jahrelang von Selbstzweifeln und mangelndem Selbstwertgefühl geplagt sind. Schliesslich wird uns schon ganz früh beigebracht, dass so wie wir sind, nicht perfekt in die Gesellschaft passen, die von Männern* bestimmt wird. Da auszubrechen braucht Energie, die wir eigentlich ganz woanders viel sinnvoller einsetzen sollten (und zwar für UNSERE Bedürfnisse), und sehr viel Mut.

Wie Marta so schön schreibt…Wut ist gut und Antreiber zur Veränderung, auch wenn die Gesellschaft mit wütenden Frauen* nicht viel anfangen kann. Einmal mehr zeigt sich jedoch, dass wir weiterhin wütend sein müssen! Und mutig! Eure Siri

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